Landschaftsfotografie bei schlechtem Wetter – Dramatik statt Sonnenschein

27 November 2025

Bei der Landschaftsfotografie denkt man instinktiv an stimmungsvolle Farben, goldene Sonnenuntergänge und strahlend blauen Himmel. Doch auch bei schlechtem Wetter entstehen ausdrucksstarke Landschaftsaufnahmen. Regen, Wind und Wolken verleihen der Natur Tiefe, Struktur und Emotion. Gleichzeitig stellen sie Fotografen vor eine spannende Herausforderung.
Anhand einiger Aufnahmen aus Irland möchte ich zeigen, wie lohnend Fotografie bei Schmuddelwetter sein kann und wie sie eine neue Sichtweise auf bekannte Landschaften ermöglicht.

Schlechtes Wetter kann die Landschaftsfotografie bereichern

In Kalendern oder Magazinen ist meist kein Platz für Schlechtwetteraufnahmen. Gefragt sind dort Bilder, die eine Landschaft von ihrer schönsten Seite zeigen, in stimmungsvollem Licht und mit kräftigen Farben.
Bei schlechtem Wetter sind die Voraussetzungen für solche Aufnahmen nicht gegeben. Dafür offenbart die Landschaft jedoch eine andere, oft faszinierende Seite. Dunkle Wolken, Regen oder Sturm verleihen Aufnahmen eine Tiefe und Dramatik, die sich bei Sonnenschein kaum einfangen lässt. Die Landschaftsfotografie bei schlechtem Wetter ähnelt in gewisser Weise der klassischen Schwarz-Weiß-Fotografie: Der Blick richtet sich stärker auf das Wesentliche, auf Formen, Strukturen und Kontraste – weniger auf Licht und Farbe. Auch die emotionale Wirkung unterscheidet sich deutlich von typischen „Postkartenmotiven“. Beim Betrachten solcher Bilder stellen sich Gefühle wie Melancholie, Ruhe oder Ehrfurcht vor der Natur ein.

Ballydonegan Beach near Allihies on the Beara Peninsula, County Cork, Ireland

Ein Beispiel dafür ist meine Aufnahme des Ballydonegan Beach (auch als Allihies Beach bekannt) auf der irischen Beara-Halbinsel. An sonnigen Tagen zeigt sich der Strand von seiner idyllischen Seite und Besucher erfreuen sich an kristallklarem Wasser und weißem Sand, eingerahmt von grünen Hügeln. Bei schlechtem Wetter jedoch wirkt der Ort rau und in der Luft liegt ein Hauch von Drama. Man spürt förmlich die unangenehme Kälte und Nässe. Und dennoch ist man vom Anblick gefesselt.

Culoo Rock on Valentia Island, Co. Kerry, Ireland

Ähnlich verhält es sich mit dieser Aufnahme des Culoo Rock auf Valentia Island. Die Felsen sind bei Anglern beliebt, die hier in den tosenden Fluten des Atlantiks Makrelen fischen. Ein Schild warnt davor, die Klippen bei schwerem Wellengang und starken Winden zu meiden. Genau unter solchen Bedingungen entstand meine Aufnahme. Es war ein ständiger Kampf, Kamera und Filter halbwegs trocken zu halten. Doch das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, wie wild und ungezähmt die Atlantikküste Irlands sein kann. Die Dramatik dieser Aufnahme verdankt sie vor allem dem schlechten Wetter.

Brandon Range on the Dingle Peninsula, Co. Kerry, Ireland

Anspruchsvoll waren die Wetterbedingungen auch bei meiner Aufnahme der Brandon Range auf der Dingle-Halbinsel. Biblische Regenfälle, bissiger Wind und kaum Licht sind alles andere als ideale Bedingungen, um draußen zu fotografieren. Ich nannte das entstandene Bild „One Last Shot“ – noch ein letzter Schuss (bevor ich Schutz im Auto suchte). Diese Aufnahme wurde 2023 beim „16th Annual International Color Awards“ in der Kategorie Nature (Professional) als Nominee ausgezeichnet. Ein schönes Beispiel dafür, dass sich die Landschaftsfotografie auch bei schlechtem Wetter lohnen kann.

Schönheit jenseits des perfekten Lichts

Schlechtes Wetter kann die Landschaftsfotografie also durchaus bereichern und bietet die Möglichkeit, die Schönheit der Natur unverfälscht und authentisch festzuhalten. Zugegeben, es erfordert Überwindung, bei Regen und Wind mit der Kamera loszuziehen. Doch wer sich darauf einlässt, wird oft mit eindrucksvollen, stimmungsvollen Bildern belohnt. Und natürlich gibt es Grenzen: Wenn Regen und Wind so stark werden, dass die Ausrüstung nicht mehr trocken bleibt, sollte man die Session abbrechen – nicht zuletzt, um Schäden zu vermeiden.

Gerade in Ländern wie Irland oder Schottland, wo man häufig mit schlechtem Wetter rechnen muss, habe ich gelernt, mich darauf einzustellen. Mittlerweile arbeite ich sogar gerne unter solchen Bedingungen.
Das für mich wirklich schlimmste (Foto-)Wetter sind übrigens die “grauen Tage” – jene trüben Tage, an denen es überhaupt keine Struktur im Himmel und weder Licht noch Schatten in der Landschaft gibt.

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