Castle of Old Wick
Das Titelmotiv meines ersten Schottland-Kalenders zeigt das Castle of Old Wick. Man muss schon sehr genau hinschauen, um das Castle zu finden. Die Ruine thront zwar auf einer Klippe im Hintergrund, ist aber so sehr Teil der Landschaft geworden, dass sie sich kaum noch von ihr abhebt. Bei dieser Aufnahme ist etwas passiert, was ich schon einige Male in Schottland erlebt habe. Man bereitet sich auf eine Location vor, hat diverse Bilder gesehen und kehrt mit Aufnahmen zurück, die man so nicht geplant hatte. Das liegt schlichtweg an der Dichte an Motiven und Möglichkeiten, die dieses Land bietet. Am Castle of Old Wick waren das eine ganze Menge.
Ich besuchte die Location erstmals am Abend und musste feststellen, dass „Old Wick“ ein passender Name ist und der Zahn der Zeit am Castle mächtig genagt hat. Aus nächster Nähe bot die verfallene Ruine keine Motive, die mich begeisterten. Was mich hingegen regelrecht ansprang, war die unmittelbare Umgebung. Vom Parkplatz bis zum Castle geht man einige hundert Meter an der zerklüfteten Küste entlang. Es war dieser Weg, der alles veränderte und den abendlichen Besuch zum Location-Scouting für den nächsten Morgen degradierte, an dem dann das eigentliche Spektakel stattfinden sollte.
Und das tat es dann auch. Nachdem ich den Sonnenaufgang über der Nordsee fotografiert hatte, ging ich ein Stück in Richtung Castle, verließ aber den Weg und begab mich hinunter zu den Klippen. Was sich vor mir auftat, war eine Küstenlandschaft im schönsten Morgenlicht. Das Castle lag in der Ferne. Es war längst nicht mehr der Grund, weshalb ich hier stand.
Fotografisch stellte die Situation einige Aufgaben. Zunächst musste ich einen Standpunkt finden, bei dem mein eigener Schatten nicht ins Bild fiel. Das brachte mich an den äußersten Klippenrand, so nah, dass zwischen Stativbein und Abgrund keine Möwenfeder mehr passte. Dann die Frage nach der Belichtung. Ich überlegte, mit einer kurzen Belichtungszeit die Dynamik des Meeres einzufangen. Doch bei genauer Betrachtung war von der rauen Energie, die diese Landschaft formte, wenig zu sehen. An diesem Morgen schaukelte die Nordsee gemütlich vor sich hin. Eine Langzeitbelichtung traf die Stimmung am besten. Die Aufnahme, die es auf den Kalendertitel schaffte, belichtete ich exakt zwei Minuten. Dabei war Eile geboten. Die Sonne stieg schnell höher und die Goldene Stunde würde nicht ewig dauern. Es wurde rasch heller und die Belichtungszeit musste ständig neu berechnet werden. Die Ruhe, die das fertige Motiv ausstrahlt, hatte ich beim Fotografieren keineswegs. Dafür aber eine unverhoffte Aufnahme im Kasten. In Schottland passiert so etwas öfters – zum Glück!
Lage & Anfahrt
An der Küste südlich von Wick, Schottland. (Maps)
Fotomotive
Schroffe Klippen und eine in die Jahre gekommene Ruine.
Beste Zeit zum Fotografieren
Rund um den Sonnenaufgang.
Eingesetzte Fotoausrüstung
Kamera, 14 – 24 mm, Polfilter, Stativ.
Tipps für Fotografen
Lass möglichst viel von der Umgebung in deine Aufnahmen einfließen.
Parken
Direkt südlich von Wick an der Küste. (Maps)
Wegstrecke
Vom Parkplatz bis zur Ruine sind es rund 750 Meter.
Übernachten in der Nähe
In und um Wick.
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HALLO, ICH BIN STEFAN
In meinem Blog nehme ich dich mit auf meine Reisen, berichte über Fotolocations und über meine Arbeit als Landschaftsfotograf.
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