Landschaftsfotografie bei schlechtem Wetter
Bei der Landschaftsfotografie denkt man instinktiv an goldene Sonnenuntergänge und strahlend blauen Himmel. Doch gerade bei schlechtem Wetter zeigt die Natur eine ganz andere, oft faszinierende Seite. Regen, Wind und schwere Wolken verleihen der Landschaft eine Tiefe und Dramatik, die sich bei Sonnenschein kaum einfangen lässt.
Was dabei entsteht, ist eine andere Art von Fotografie, die mich in gewisser Weise an die klassische Schwarz-Weiß-Fotografie erinnert: Farben treten in den Hintergrund, Formen, Strukturen und Kontraste in den Vordergrund. Der Blick richtet sich auf das Wesentliche. In meinen Kalendern wirst du solche Aufnahmen vergeblich suchen, persönlich stehen sie bei mir aber ähnlich hoch im Kurs wie die klassischen Schönwetteraufnahmen. Anhand einiger Aufnahmen aus Irland möchte ich zeigen, wie lohnend Fotografie bei Schmuddelwetter sein kann.

Ein Beispiel dafür ist meine Aufnahme des Ballydonegan Beach (auch als Allihies Beach bekannt) auf der irischen Beara-Halbinsel. An sonnigen Tagen zeigt sich der Strand von seiner idyllischen Seite, mit kristallklarem Wasser und weißem Sand, eingerahmt von grünen Hügeln. Bei schlechtem Wetter wirkt der Ort rau und in der Luft liegt ein Hauch von Drama. Man spürt förmlich die Kälte und Nässe. Und dennoch ist man vom Anblick gefesselt.

Ähnlich verhält es sich mit meiner Aufnahme des Culoo Rock auf Valentia Island. Die Felsen sind bei Anglern beliebt, die hier in den tosenden Fluten des Atlantiks Makrelen fischen. Ein Schild warnt davor, die Klippen bei schwerem Wellengang und starken Winden zu meiden. Genau unter solchen Bedingungen entstand meine Aufnahme. Es war ein ständiger Kampf, Kamera und Filter halbwegs trocken zu halten. Doch das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, wie wild und ungezähmt die Atlantikküste Irlands sein kann.

Anspruchsvoll waren die Wetterbedingungen auch bei meiner Aufnahme der Brandon Range auf der Dingle-Halbinsel. Biblische Regenfälle, bissiger Wind und kaum Licht sind alles andere als ideale Bedingungen, um draußen zu fotografieren. Ich nannte das entstandene Bild „One Last Shot“, noch ein letzter Schuss bevor ich Schutz im Auto suchte. Diese Aufnahme wurde 2023 beim „16th Annual International Color Awards“ in der Kategorie Nature als Nominee ausgezeichnet. Ein schönes Beispiel dafür, dass sich die Landschaftsfotografie auch bei schlechtem Wetter lohnen kann.
Gerade in Ländern wie Irland oder Schottland, wo man häufig mit schlechtem Wetter rechnen muss, habe ich gelernt, mich darauf einzustellen. Mittlerweile arbeite ich sogar gerne unter solchen Bedingungen. Das für mich wirklich schlimmste Fotowetter sind übrigens die grauen Tage, jene trüben Tage, an denen es überhaupt keine Struktur im Himmel und weder Licht noch Schatten in der Landschaft gibt.
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